UNSERE CHRONIK ZU UNSEREM 100-JÄHRIGEN JUBILÄUM

Was vorher war . . .

Der Geburtstag des Musikvereins Waldau ist der 7. Dezember 1900. Musiziert wurde aber in einzelnen Familien auf den entlegenen Höfen der Schwarzwaldgemeinde schon viel früher. Lesen wir doch in den Memoiren des Abtes Ignaz Speckle von St. Peter, vom 10. April 1796: „In Waldau sang ich die Pfarrmesse, worunter die deutschen Lieder gesungen und mit Bassisten und Violen begleitet wurden. Mittags baten die Musikanten um Erlaubnis, eine Tafelmusik zu machen, welches auch geschah mit ein paar Märschen, Menuetts und einigen Liedern.“ Auf dem Hohlen Graben gab es die „Doldenseppenmusik“, die als Familienkapelle bei Hochzeiten und Festen zum Tanz aufspielte, und im „Bierhaus“ (dem heutigen Gasthaus „Zum Schneeberg“) pflegten die Gebrüder Steiert die Volksmusik mit Zither, Klavier, Geigen, Klarinetten und Flöten.

Zeitumstände um 1900

Der Musikverein feiert am 7. Dezember 2000 seinen 100. Geburtstag. Hundert Jahre Vereinsgeschichte. Blicken wir zurück: Dreißig Jahre lebte man schon in Frieden, die Wirtschaft hatte sich mächtig entwickelt, die Industriealisierung schritt immer weiter voran, Deutschland war auf dem Wege eine Weltmacht zu werden. Auch im engeren Heimatkreis hatte sich eine Wandlung vollzogen. Die Uhrmacherei als Hausgewerbe die in Waldau sehr stark vertreten war, war verschwunden. Die Produktion von Uhren war von Fabriken übernom-men worden und ist in die Städte abgewandert. Auf den Höfen hatte sich noch nicht viel geändert. Junge Leute standen als Arbeitskräfte zur Verfügung, als Knechte und Mägde.

Die Anfangsjahre der Blasmusikkapelle

Über die Anfangsjahre sind wir dank der vorhandenen Niederschrift des verdienstvollen Gründungsmitglieds, späteren Dirigenten und Ehrendirigenten Johann Schwab bestens unterrichtet. Diesem Bericht folgen wir in der Darstellung der Vereinsgeschichte. Im Laufe des Sommers 1900 fand sich eine Anzahl junger Leute zwecks Gründung einer Musikkapelle zusammen. Die Anregung hierzu ging aus von Johann Schwab, der in der „Hausmusik“ des J. Steiert Geige und Klarinette spielte, und von Albert Schwär aus St.Märgen, der 1896 in das Rainhäusle eingeheiratet hatte und Trompete, Baß und Geige spielte. Dazu gesellte sich noch Stefan Braun aus dem Ferndobel, der ein B-Horn besaß und da und dort in Tanzkapellen mitwirkte.

Albert Schwär war Gründungsmitglied der Musikkapelle St. Märgen und hatte Erfahrungen mit der Aufstel-lung und Gründung einer Blaskapelle. Im Herbst des Jahres 1900 wurden bei der Firma Richard Keßler in Markneukirchen (Sachsen) neun Instrumente zum Preis von 350,- Mark bestellt. Zur Beschaffung zahlte jeder Musiker aus eigener Tasche 40,- Mark.

Die Gründer und ersten Mitglieder der Kapelle waren:
Albert Schwär, Dirigent, Tenorhorn II
Johann Schwab, Ratschreiber,Piston I
Eduard Spiegelhalter, Dominikhof,Piston II
Hermann Kürner, Fuhrmann, Flügelhorn I
Albert Schwab, Kaufmann,Flügelhorn II
Josef Braun, Ferndobel, Tenorhorn I
Robert Wehrle, Behashof, B-Horn I
Josef Pfrengle, Schmied, Es-Horn I
Leopold Faller, Bühlhof, B-Horn II
Hyronimus Rombach, Straßenwart, Es-Horn II
Matthias Straub, Zähringerhof, B-Baß
Stefan Braun, Ferndobel, Es-Baß
Gerson Schwär, Stalterhof, große Trommel

Im Dezember 1900 fand die Gründung des Musikvereins mit passiven Mitgliedern statt. In der außerordentlichen Generalversammlung am 7. Dezember 1900 wurden die Statuten angenommen und folgende Vorstandschaft gewählt:
Vorsitzender: Stefan Braun
Dirigent: Albert Schwär
Rechner: Johann Schwab
Schriftführer: Matthias Straub
Ausschuß: Joseph Pfrengle
Ausschuß: Karl Leopold Faller
Ausschuß: Eduard Spiegelhalter
Ausschuß: Hermann Kürner

Die Statuten wurden in der Buchdruckerei des „Echo vom Hochfirst“ in Neustadt gedruckt und jedem Mitglied ausgehändigt - aber, wie der Chronist schreibt, „nie eingehalten“. Ein Exemplar ist noch vorhanden.Der Vereinsbeitrag betrug für die passiven Mitglieder 2,40 Mark im Jahr, für die aktiven 1,20 Mark. Am Weihnachtstag 1900 spielte die junge Kapelle bereits zwei Choräle in der Kirche, und am Silvesterabend gab sie in der „Traube“ ein kleines Konzert mit einem Programm von fünf bis sechs Stücken. Die Noten für die Besetzung schrieb Wilhelm Schleicher, ein früherer Lehrer und Musikdirigent von Neustadt. Er wohnte damals in Urach, wo sein Bruder Pfarrer war, kam oft nach Waldau und übte die Stücke ein. Die Proben wurden anfangs in dem Haus des Kaufmanns Johann Fehrenbach, das damals dem Fernbauer Augustin Faller gehörte und leer stand, abgehalten. Später hielt man sie in der „Scheuer“ des Schwabenhofes bei Schreiner Engelbert Spiegelhalder ab, sommers in dessen Wohnstube, im Winter in der Werkstatt, die im 18. Jahrhundert der Schulsaal war. Bald wurde noch eine eigene Abteilung für Tanzmusik gegründet und hierfür Klarinetten angeschafft. Gespielt wurde meistens an den hohen Feiertagen in den hiesigen Wirtschaften; 1903 begleitete die Kapelle den verstorbenen Pfarrer Leo Bigott auf seinem letzten Weg zum Friedhof. Im folgenden Jahr spielte sie bei der Investitur des neuen Pfarrgeistlichen Karl Winterhalder und bei der Beerdi-gung des Benefiziaten Ludwig Faller vom Fernhof. Der Chronist bemerkt, daß es auf einem zweitägigen Ausflug auf den Kandel zu Zwistigkeiten kam, und als Wilhelm Schleicher mit seinem Bruder von Urach wegzog, wurde es bis 1910 still um die Blasmusik. In diesem Jahr kam ein neuer Organist namens Leopold Hauns nach Waldau. Er war von Beruf Korbmacher, hatte seine Werkstatt im „Schreinerhäusle“, das dem Sonnenwirt Stephan Wehrle gehörte. Er war ein guter Orgelspieler und Trompeter. Unter seiner Leitung er-stand die Musikkapelle mit 15 aktiven Mitgliedern wieder zu neuem Leben. Er blieb aber nur bis 1913 in Waldau. Dann wurde Hauptlehrer Hermann Braun sein Nachfolger. Herr Braun kam jedoch nur samstags in die Probe, nachdem die Stücke von Johann Schwab eingeübt waren. Im Mai 1914 hatte der Militärverein Waldau Fahnenweihe. Dieses Fest brachte der Musikkapelle eine schöne Aufgabe; sie erhielt für das Spie-len als Festmusik 70,- Mark, was vom Chronisten besonders vermerkt wurde. Dann brach der Erste Welt-krieg aus. Die Musikanten wurden nacheinander zum Heeresdienst eingezogen. Engelbert Hog, B Klarinettist, starb 1915 den Soldatentod.

Schwieriger Neubeginn nach dem 1. Weltkrieg

Nach Kriegsende war zunächst für die Musik kein Interesse mehr vorhanden. Doch im Herbst 1919 wurden dann die Proben wieder aufgenommen. Jetzt wurde Ratschreiber Johann Schwab, der bisher bescheiden im Hintergrund blieb, Dirigent. Er brachte dank seiner vielseitigen musikalischen Ausbildung und menschlichen Qualitäten die besten Voraussetzungen für dieses Amt mit. Von den früheren Musikern waren wieder dabei: Albert Schwär, Stefan Braun, Leopold Faller, Joseph Pfrengle, Johann Eckmann, Josef Fehrenbach, Her-mann Waldvogel und Otto Maier. Neu kamen hinzu: Josef Eckmann, Josef Schwär, Alfred Straub und Jo-hann Harder. An Weihnachten 1919 trat man zusammen mit dem Kirchenchor, der ein Theaterstück zur Auf-führung brachte, in der „Traube“ zum ersten Mal wieder an die Öffentlichkeit.

Es begann unter der Leitung von Johann Schwab eine Zeit intensiver Probenarbeit und Ausbildung der jun-gen Musiker, ohne daß in den folgenden Monaten die Kapelle viel an die Öffentlichkeit trat. Die Instrumente waren alt und reparaturbedürftig; aber es war kein Geld vorhanden für die Kosten einer Reparatur. Die Infla-tion verschlang von Tag zu Tag die vorhandenen Spargroschen. An eine Geldsammlung unter der Bevölke-rung war nicht zu denken. Da kam unerwartete Hilfe aus Amerika. Der ehemalige Musikkamerad August Fehrenbach, der kurz vor dem Krieg nach Amerika auswanderte, bot dem Musikverein einige Dollars zur In-strumentenbeschaffung an. Ein Dollar war 1922 ein kleines Vermögen. Daraufhin wagte man, der Firma Lehmpfuhl aus Freiburg den Auftrag zur Reparatur der Instrumente zu erteilen. Das Geld mußte sofort von den Musikern vorschüßlich aufgebracht werden. Daher wartete man ungeduldig auf den Brief aus Amerika. Als er dann eintraf und 10 Dollars enthalten sollte, war er - leer. Die begehrten Dollars waren entnommen worden, was zur damaligen Zeit sehr oft vorkam. Doch August Fehrenbach half noch einmal. Jetzt schickte er 5 Dollars - sie machten damals den Betrag von 7000 Mark aus.

Um mehr Unterstützung in finanziellen Angelegenheiten zu erhalten, trat die Kapelle 1923 dem Hegau-Musikverband bei. Dieser stellte bei der Gemeindeverwaltung zweimal den Antrag auf eine Beihilfe. Sie wur-de in der schwierigen Inflationszeit jedoch abgelehnt. Auch dem Ersuchen um Überlassung von einem Ster Papierholz, den die Musikanten selbst hauen wollten, konnte in dem traurigen Herbst 1923 von seiten der Gemeinde nicht entsprochen werden. In all den Jahren fand zusammen mit dem Kirchenchor eine Weihnachtsfeier und an Fastnacht eine Unter-haltung mit Tanz zur Finanzierung der dringendsten Ausgaben statt. Sehnsüchtig wartete man auf das Ende der Inflation. Alt-Trauben-Wirt Wilhelm Winterhalder schenkte dann der Musikkapelle das erste feste Geld - 100,- Goldmark -, und Pfarrer Bausch gab ihr aus kirchlichen Mitteln -für das Spielen an Feiertagen 20,- Mark. Der Militärverein bezahlte jährlich 0,50 Mark pro Mitglied als Vergütung für die Marschmusikbegleitung vom Vereinslokal (Traube) in die Kirche und zurück.

Im Jahre 1925 konnte die Kapelle auf das 25 jährige Bestehen zurückblicken. Wegen der widrigen Zeitumstände -die Inflation hatte den gesamten Geldbesitz aufgezehrt- wurde von einer Feier abgesehen. Stattdes-sen machte man am 11. August mit einem Kraftwagen einen Ausflug an den Rheinfall, der aber zu einem richtigen „Reinfall“ wurde, da es den ganzen Tag über regnete.

In dem Jubiläumsjahr hatte die Musikkapelle folgende Besetzung:
Johann Schwab, Piston I
Eduard Spiegelhalter, Piston I
Eduard Rombach, Trompete I
Markus Rombach, Piston II
Wilhelm Waldvogel , Flügelhorn
Otto Lickert, Tenorhorn I
Karl Beha, B-Horn I
August Eckert, B-Horn II
Josef Löffler, Es-Horn I
Josef Schwär, Es-Horn II
Eugen Fehrenbach, kleine Trommel
Johann Harder, große Trommel
Josef Spiegelhalter, Klarinette
Ernst Schwär, Klarinette
August Kistler, Klarinette
Ludwig Wehrle, Klarinette
August Wehrle, Klarinette

Als 1925 der Musikverband Hochschwarzwald gegründet wurde, trat ihm unsere Kapelle sofort bei. Dirigent Johann Schwab begrüßte insbesondere die Verpflichtung der Verbandskapellen zur Teilnahme an den Ver-bandsmusikfesten, denn es war sein unermüdliches Anliegen, das musikalische Niveau der Kapelle zu he-ben. Am 13 Juni 1926 fand in Lenzkirch das I. Verbandsmusikfest des Gaues Hochschwarzwald statt. Die Waldauer Musikkapelle spielte in Klasse C die Ouvertüre „Mignonette“ von Dörle und erhielt neben den Ver-einen Friedenweiler und Falkau mit je 16 Punkten einen la-Preis. Die Freude war sehr groß über das gute Ergebnis und gab dem Dirigenten und den Musikern Auftrieb und Selbstbewußtsein.

Neue Vorstandschaft - neuer Schwung
Am 30. Januar 1927 fand im „Bierhaus“ eine Generalversammlung statt. Die Wahlen hatten folgendes Ergebnis:
1. Vorstand Johann Harder
2. Vorstand Wilhelm Kreuz (passives Mitglied)
Schriftführer August Wehrle
Beisitzer Eugen Fehrenbach, Johann Eckmann, Wilhelm Winterhalder jun., Pius Faller

Von diesem Zeitpunkt an berichtet das Protokollbuch von allen Veranstaltungen und Auftritten der Musikka-pelle. Es bildete sich im Jahresablauf ein regelmäßiges Veranstaltungsprogramm heraus, welches teilweise heute noch Geltung hat. Am Weißen Sonntag werden die Erstkommunikanten vom Schulhaus zur Kirche geholt und wieder zurückbegleitet. Bei den Prozessionen am Herrgottstag, am Herz-Jesu-Fest sowie an der Kräuterweihe (15. August) erklingen die Prozessionsmärsche durch das Tal und geben den Festen Glanz und Feierlichkeit. Am Weihnachtsmorgen spielt die Kapelle im Engelamt und in der Hirtenmesse, und in der Auferstehungsfeier am Karsamstag verschönert sie den anbrechenden Ostertag. Am Volkstrauertag beglei-tet sie den Kriegerverein zur Kirche und zu der Totengedenkfeier.

Der Musikverein lädt alljährlich zu einem Weihnachtskonzert ein, das in früheren Jahren meist mit einer The-ateraufführung verbunden war. An Fastnacht wird in Fröhlichkeit und mit würzigem Humor das närrische Treiben gestaltet. Unter seiner Regie findet ein Umzug statt, nach welchem die Jugend anschließend in ei-nem Gasthaus mit Wurst und Wecken bewirtet wird. An den Festtagen finden Platzkonzerte statt oder ge-mütliche Nachmittagsveranstaltungen Ein Hammeltanz im Spätjahr bringt Unterhaltung und füllt die Vereins-kasse. Die Kapelle spielt jedem aktiven Musikkameraden am Hochzeitstag und bei silbernen Ehejubiläen ein Ständchen; sie begleitet die Toten des Vereins auf ihrem letzten Gang zum Friedhof. Jedes wichtige örtliche Ereignis wird von ihr musikalisch umrahmt; die Vereins-Chronik wird dadurch zugleich Orts-Chronik.

Die Eröffnung der Omnibuslinie St. Märgen - Waldau - Neustadt durch die Firma Dresman Freiburg, wurde beim Herbstkonzert in der „Traube“ gebührend gefeiert. Noch spielte man mit den alten Instrumenten aus der Gründungszeit in der sog. hohen (Wiener-) Stimmung. Da entschloß man sich im Sommer 1928 zur Anschaffung der seit langem gewünschten neuen Instrumente. Es wurde eine Sammlung veranstaltet bei den Bürgern von Waldau, Langenordnach und im oberen Jostal. Diese erbrachte einen erfreulichen Betrag, so daß 18 Instrumente bestellt werden konnten bei der Firma Glassel in Graßnitz/Böhmen. Mit der Weihnachtsfeier 1928 in der „Traube“ hatten die alten Instrumente aus-gedient. Am 30. Januar 1929 trafen die neuen ein. Sie wurden am Fastnachtssonntag zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgeführt.

Am Ostersonntag übernahm eine Abteilung der Musikkapelle die Begleitung der Messe in Es von Pollak für gemischten Chor und Bläserbegleitung in der Kirche. In den folgenden Jahren wurde auch die Deutsche Messe von Franz Schubert mit Bläsern aufgeführt und fand großen Anklang. Im Laufe des Sommers 1929 fanden für die Kurgäste zwei Platzkonzerte statt, die man als Anfang einer langen Tradition bezeichnen kann.Mit dem Jahre 1930 endete an Silvester die alte Pferdepost. Anläßlich der letzten Fahrt hielt die Gemeinde-verwaltung in der „Sonne“ zu Ehren des langjährigen Postillons Oberpostschaffner Vogt eine schlichte Feier ab unter Mitwirkung des Musikvereins. Am folgenden Neujahrstag wurde der erste Omnibus der Reichspost mit einigen Märschen begrüßt.

Das Hauptanliegen zum Jahresbeginn 1931 war die Vorbereitung auf das Wertungsspiel, das am 24./25. Mai anläßlich des Verbandsmusikfestes in Neustadt stattfinden sollte. Die Kapelle spielte in der Unterstufe die Ouvertüre „Frühlingsboten“ von Dörle. Sie errang mit 17 Punkten einen la-Preis, wobei zu bemerken ist, daß von den 20 Musikern sieben zum ersten Mal vor einem Preisrichterkollegium spielten. Beim Festzug be-gleiteten 25 Trachtenmädchen in der schmucken Waldauer Tracht die Musikanten durch die festlich ge-schmückte Stadt. Die Tanzkapelle brachte auf der Festbühne alte Schwarzwälder Tanzweisen von der „Dol-denseppenmusik“ zu Gehör. „Der Verein hinterließ bei dem Fest einen sehr guten Eindruck. Der Pfingst-sonntag 1931 darf in der Geschichte des Musikvereins als ein Tag der Ehre und des Erfolges bezeichnet werden“, schrieb der Schriftführer im Protokollbuch. Der Verein zählte um jene Zeit 22 aktive und 72 passive Mitglieder.

Bedrückend war die wirtschaftliche Lage 1931/32, was sich im schwachen Besuch der Veranstaltungen all-gemein auswirkte. Wegen der wirtschaftlichen Not einigten sich der Musikverein, der Militärverein und der Kirchenchor an Weihnachten 1931 eine gemeinsame Veranstaltung durchzuführen ohne Eintrittsgeld und ohne Tellersammlung. Im August 1933 nahm die Kapelle wiederum an einem Preisspiel teil. Die Stadtmusik Bonndorf feierte ihr 100jähriges Bestehen verbunden mit dem Verbandsmusikfest des Gaues Hochschwarzwald vom 5.-7. Au-gust. Die Kapelle trug die Ouvertüre zu „Orpheus in der Unterwelt“ von Offenbach in der Mittelstufe vor. Sie errang einen la-Preis mit I2½ Punkten, die beste Tagesleistung in dieser Stufe! Die Freude der Musiker wie der Heimatbevölkerung war sehr groß.

Die Kapelle mußte in den Jahren nach 1933 auch bei den nationalen Feiern mitwirken. Am 1. Mai fand meist ein abendlicher Fackelzug statt vom „Bierhaus“ bis zum Maibaum, der auf dem Platz bei der Kirche aufgestellt war. Am Heldengedenktag begleitete sie die Kriegerkameradschaft zum Gottesdienst und spielte bei der anschließenden Gedenkfeier vor dem Kriegerdenkmal.

An Peter und Paul 1935 unternahm der Musikverein einen großen Ausflug nach Wolfach, der Heimat von Hauptlehrer Schrempp, und über die Ruine Geroldseck und Lahr nach Freiburg. In Lahr traf man sich mit den früheren Waldauer Lehrer Hermann Braun und Heinrich Schultheiß. Dreimal galt es in jenen Jahren, Gründungs- und Ehrenmitgliedern das Totengeleite zu .geben: am 30. De-zember 1936 Albert Schwär, dem ersten Dirigenten, 12. März 1937 Stefan Braun, dem ersten Vorsitzenden, und am 16. August 1937 Hyronimus Rombach.Ein bedeutsames Ereignis war es für eine Abteilung der Musikkapelle, daß sie bei der Übertragung eines Heimatabends durch den Sender Freiburg unter dem Motto „O Schwarzwald, o Heimat“ als Ländlerkapelle Waldau mitwirken durfte. Am 11. Januar 1937 fand nochmals eine Rundfunkübertragung statt, an welcher neben der Waldauer Bauernkapelle die Glottertäler Nachtigallen, die Geißdöbler Streichmusik und der Handharmonikaclub Triberg beteiligt waren.

Seit der Machtergreifung der Nationalsozialisten mußten immer öfter politische Versammlungen musikalisch umrahmt werden. Das Wirken als Verein wurde zunehmend schwieriger. Die letzte Generalversammlungen fand am 29. März 1937 statt, der letzte Eintrag im Protokollbuch datiert vom 27. Februar 1938. Ab 1938 zog sich die Musikkapelle bewußt zurück, um den Parteigewaltigen nicht aufzufallen, die sie gerne für politische Zwecke im Kreisgebiet eingespannt hätten. Daß sich die Musikanten solchen Bestrebungen vehement ent-gegensetzten macht eine Begebenheit deutlich: am 9. November 1938 mußte vor dem Rathaus eine ange-ordnete Gedenkfeier musikalisch umrahmt werden. Der Vertreter des Kreisleiters war dazu extra aus Neu-stadt gekommen. Bei der anschließenden Einladung in die „Sonne“ wollte der besagte Vertreter aus der Waldauer Kapelle eine SA-Musik machen. Er mußte das Lokal fluchtartig durch den Hinterausgang verlas-sen, um der angedrohten Tracht Prügel zu entkommen.

Es gereicht dem Musikverein zur Ehre, daß er während der nationalsozialistischen Zeit bis zum Kriegsbeginn bei allen kirchlichen Anlässen wie in früheren Jahren furchtlos mitwirkte. Diese Aussage wird durch die Tatsache belegt, daß der letzte Auftritt vor dem 2. Weltkrieg die musikalische Begleitung der Prozession an Ma-ria-Himmelfahrt am 15. August 1939 war. Am 1. September brach der 2. Weltkrieg aus. Für Jahre hörte das Musizieren auf.

Die Zeit nach dem 2. Weltkrieg

Nach und nach waren die meisten Musikanten aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt. Folgende Mu-sikanten taten sich im Frühjahr 1947 zusammen und formierten sich wieder zu einer Musikkapelle:
Josef Spiegelhalter, Dirigent
Leopold Winterhalder, Klarinette I
August Wehrle, Klarinette II
Ludwig Wehrle, Klarinette III
Gebhard Kaltenbach, Klarinette III
Fritz Winterhalder, Flügelhorn I
Nikolaus Wehrle, Flügelhorn II
Leo Pfrengle, Trompete I
Alfons Kreutz, Tenorhorn I
Edelbert Wehrle, Es-Horn I
Eugen Fehrenbach, Es-Horn II
Josef Schwär, Posaune I
Ludwig Spiegelhalter, Bass in Es
Josef Waldvogel, Bass in B
Johann Harder, große Trommel

Der Weiße Sonntag und die Prozessionen des Jahres 1947 wurden bereits wieder musikalisch umrahmt. Der Wunsch nach Wiedergründung des Musikvereins wurde immer stärker, und so berief man im Februar 1948 die alten Mitglieder zu einer Generalversammlung in die „Sonne“ ein. Der Einladung waren außeror-dentlich viele Besucher gefolgt. Es wurde zuerst der zwei gefallenen aktiven Musiker, Ernst Schwär und Johann Eckmann, gedacht. Die Versammlung wählte per Zuruf fast die ganze Vorstandschaft aus der Vorkriegszeit wieder.

1. Vorsitzender Johann Harder
2. Vorsitzender Karl Waldvogel, Langenordnach
Kassenverwalter Ludwig Wehrle
Schriftführer Eugen Fehrenbach

Der verdienstvolle frühere Dirigent Johann Schwab, der aus gesundheitlichen Gründen und wegen Arbeits-überlastung den Dirigentenstab nicht mehr ergreifen konnte, wurde zum Ehrendirigenten ernannt. Neuer Di-rigent wurde Josef Spiegelhalter. Die Musikkapelle zählte wieder 19 Mann; 7 Zöglinge waren in Ausbildung. Aus den Reihen der Besucher gaben 72 Personen ihre Unterschrift als passive Mitglieder. Es regte sich sofort wieder neues Leben. In den folgenden zwei Jahren trat die Kapelle in zahlreichen Auftritten an die Öf-fentlichkeit; denn 1950 sollte das 50 jährige Bestehen gefeiert werden.

Das 50 jährige Jubiläum

Es war ein Fest, wie es Waldau noch nie erlebt hatte. Bei herrlichem Juniwetter hatte das Dorf den schöns-ten Schmuck angelegt. Am Vorabend war in der „Sonne“ das Festbankett, zu welchem hohe Festgäste er-schienen waren. Der Festtag begann mit einem Festgottesdienst. Gegen Mittag trafen die auswärtigen Kapellen ein. Ein großer Festzug bewegte sich von der „Traube“ durch das Dorf bis zum Behashof und zurück durch die Ehrenpforte am Dorfeingang zum Festplatz. Anwesend waren die Musikkapellen von Neustadt, Lenzkirch, Löffingen, Breitnau, Urach, Eisenbach, Friedenweiler, Titisee und Kappel. Zwischen den einzel-nen Musikkapellen bewegten sich Festwagen mit Pferdegespannen, auf dem ersten waren die Vertreter der Regierung - das badische Ministerium in Freiburg hatte einen Vertreter gesandt-, des Landratsamts und der Gemeindeverwaltung. Auf dem zweiten Wagen saßen die noch lebenden Gründer des Vereins: Johann Schwab Joseph Pfrengle, Hermann Kürner und Gerson Schwär.

Die Musiker des Vorder- und Obertales hatten einen Festwagen gestaltet mit einer alten Waldauer Uhrma-cherwerkstatt und Spinnstube. Ehrenjungfrauen in heimischer Tracht begleiteten die einzelnen Vereine. Die Straßen waren dicht umsäumt von Zuschauern, deren Zahl auf 9000 geschätzt wurde. Auf dem Festplatz spielte die Kapelle nach einem Marsch die Ouvertüre zu „Orpheus in der Unterwelt“ Ein Massenchor, unter der Leitung von Musikmeister Meybrunn, leitete das Festkonzert der anwesenden Kapellen ein. Als der Abend einbrach und ein lustiges Volk auf der Festbühne bis in die Nacht hinein tanzte, wußte man, daß ein glanzvolles Fest zu Ende ging, das noch lange unvergessen bleiben wird.

Im Laufe des Sommers wurde die Kapelle eingeladen, in Titisee Kurkonzerte zu geben, welche von da an zum festen Bestandteil des Jahresprogramms wurden. Bei der Feier des 100jährigen Bestehen des Musikvereins Lenzkirch am 10. Juni 1951 nahm die Kapelle am Wertungsspiel teil. Es wurde die Ouvertüre „Banditenstreiche“ von Suppé in der Mittelstufe vorgetragen. Prädikat gut bis sehr gut. Im Jahre 1952 war in Waldau Glockenweihe und Investitur des Pfarrers Paul Wasmer. Das neue Geläute wurde am Vorabend abgeholt und unter den Klänge der Musikkapelle zur Kirche gefahren. Als die Stadtkapelle Neustadt das 100jährige Bestehen feierte und der Musikverband wiederum zu einem Wertungsspiel einlud, beteiligte sich die Kapelle mit der Ouvertüre zur Operette „Im Reiche des Indra“ von Paul Linke. Sie erhielt die Note „Sehr gut bis vorzüglich“ in der Mittelstufe. Auf dem 3. Verbandsmusikfest in Löffingen 1954 brachte es die Kapelle zur Note„Vorzüglich“ mit der Ouvertüre „Dianas Jagdzug“ von Dörle.

Die Musikkapelle unter Leitung von Leopold Winterhalder

Der Musikverein hatte stets das Glück, eine gute Vereinsführung zu haben Der 1. Vorsitzende Johann Har-der war seit 1927 im Amt. Ehrendirigent Johann Schwab leitete die Kapelle unter schwierigsten Bedingungen von 1919 bis 1939 und brachte sie auf eine beachtliche Höhe. Nach dem 2. Weltkrieg gebührt Dirigent Josef Spiegelhalter das Verdienst, mit den zurückgekehrten Musikanten wieder einen beachtlichen Klang-körper geschaffen und den Verein zu neuem Leben erweckt zu haben. Unter seiner Leitung folgten sieben erfolgreiche Jahre. Unter der Stabführung von ‘Trauben-Wirt Leopold Winterhalder nahm die Musikkapelle einen Aufschwung, der sie weit über die engere Heimat hinaus bekanntmachte. Als er im August 1954 die Kapelle übernahm, begann er mit einer intensiven Probenarbeit, standen doch noch etliche Kurkonzerte in Titisee und Waldau bevor, sowie die Herbsttagung des Gaues Hochschwarzwald, die der Verein musikalisch zu gestalten hatte. Beim folgenden Wertungsspiel am 24. März 1957 in der Festhalle zu Löffingen brachte die Kapelle als Selbstwahlstück die Ouvertüre „Der Geigenmacher von Mittenwald“ und den Vierwochenchor „Heroischer Auftakt’’ von Hartwig zum Vortrag. Neben der Kapelle von Eisenbach erhielt Waldau das Prädikat „Hervorragend“ und die Empfehlung, künftig in der Oberstufe anzutreten. 1960 konnte sie in Lenzkirch das Prädikat wiederholen mit den Stücken „Mirella“ von Friedemann und „Intrade“ von Hartwig.

Jäh und unerwartet starb am 28. Januar 1959 der langjährige Dirigent und Ehrendirigent, Alt-Ratschreiber Johann Schwab. Die Musikkapelle gab ihm das letzte Geleit zum Friedhof und spielte am Grab den Choral „Harre meine Seele“. Vorstand Harder würdigte die großen Verdienste des Verstorbenen um den Musikver-ein. Seit 1959 fanden in den Räumen des Gasthauses zur Traube in der Winterzeit Dirigentenkurse durch die Herren Dr. Regner und Professor Waldmann, Trossingen, statt. Die Waldauer Musikkapelle stellte sich be-reitwillig zu Übungen oder zu den Schlußkonzerten zur Verfügung. Das bedeutendste Ereignis des Jahres 1962 war die Einladung der Stadtgemeinde Niederweiler im Saarland zur Mitwirkung bei der Feier des 200 jährigen Ortsjubiläums vom 2.-4. Juni. Der Sommer brachte mit den Kurkonzerten in Titisee und Waldau wieder viel Arbeit. Der Jahresbericht meldete 37 Auftritte und 46 Gesamtproben, dazu 22 Teilproben. Der durchschnittliche Probenbesuch betrug 94 Prozent.

Die Vorbereitung auf das Kritikspiel, das am 4. April 1965 im Kurtheater in Neustadt stattfand, erforderte viel Zeit. Die Kapelle spielte als einzige in der Oberstufe. Es mußten zwei Selbstwahlstücke und ein Pflichtstück einstudiert werden. Die Noten für das Pflichtstück wurden erst 4 Wochen vor dem Spieltag ausgegeben. Selbstwahlstücke waren die „Thalia“-Ouvertüre von Dörle und die Suite „Tirol 1809“. Erst beim Auftreten wurde das vorzuspielende Wahlstück bekanntgegeben. Es war „Tirol 1809“. Die Kapelle erhielt für diese Leistung eine hervorragende Kritik. Ein schöner Ausflug auf den Säntis am 19. Juni belohnte alle Mühen.

Ein Jahr besonderer Anlässe

Aus der großen Zahl der Auftritte im Jahr 1966 ragten seltene Anlässe hervor. Es war dies am 22. Mai die Primiz des Neupriesters Alfons Wehrle. Die Kapelle spielte bei dem Empfang des Primizianten am Vorabend vor der Kirche. Am Feste führte sie den langen Zug der Verwandten und Gäste vom Elternhaus zur Kirche an und begleitete ihn wieder zurück in das Gasthaus zur Sonne. Auch bei der weltlichen Feier am Nachmit-tag stellte sie sich bereitwillig zur Verfügung. Im August weilte ein portugiesischer Bischof als Gast im Pfarrhaus. Er wurde am Sonntag zum Festgottesdienst in die Kirche begleitet. Am Sonntag, dem 29. Januar 1967 erlag der erste Vorsitzende Johann Harder einem plötzlichen Herzversa-gen. Abends zuvor war er wohlauf bei einem Hammelessen im Gasthaus zur Traube mit den Musikkamera-den zusammen. Am Mittwoch darauf begleiteten ihn seine Kameraden zum Grabe. Dirigent Leopold Winter-halder würdigte die großen Verdienste des Verstorbenen um den Musikverein. Nachfolger in der Vereinsfüh-rung wurde in der Generalversammlung vom 5. März 1967 Ernst Wursthorn aus Waldau. Das Jahr 1969 brachte wieder ein Verbandswertungsspiel in Lenzkirch. Die Kapelle errang mit dem Pflicht-stück „Für Freiheit und Frieden“ von Haase-Altendorf und dem Wahlstück „Rhythmus der Freude“ von Her-borg in der Oberstufe das Prädikat: Erster Rang mit Auszeichnung. Das Ereignis wurde am Abend in den Gasthäusern „Traube“ und „Sonne“ gebührend gefeiert.

Als die Gemeinde Langenordnach am 11. Oktober 1970 die Kapelleneinweihung beging, war die Musikka-pelle von Waldau Ehrengast der Gemeinde. Sie verschönte mit ihren Vorträgen den Festgottesdienst und die weltliche Feier am Nachmittag. Für die Gemeinde Waldau war die Erstellung eines Wasserwerks und die zentrale Wasserversorgung für die Zukunft von großer Bedeutung. Als am 17. Oktober 1970 die Übergabe des Werkes erfolgte, wurde die Fei-erstunde mit musikalischen Darbietungen umrahmt. Im Jahre 1971 beging Pfarrer Paul Wasmer sein 40 jähriges Priesterjubiläum, das von der Musikkapelle mit-gestaltet wurde. Man musizierte beim Festgeleit zum Jubelamt und wirkte beim Pfarrfamilienabend in der „Traube“ mit.

Der aktive Musiker Eugen Fehrenbach konnte am 5. Juni 1971 auf eine 50 jährige Tätigkeit in der Kapelle zurückblicken. In der Jahreshauptversammlung 1972 erhielt er von Dirigent Leopold Winterhalder eine Pla-kette ausgehändigt. Vorstand Ernst Wursthorn würdigte die Tätigkeit von Eugen Fehrenbach als Schriftführer des Vereins während 41 Jahren, in denen er das Protokollbuch in mustergültiger Form führte. Mit der Ernen-nung zum Ehrenmitglied und der Überreichung eines Geschenkes wurde der Jubilar gebührend geehrt. Es ist sein Verdienst, daß wir über die Geschichte des Musikvereins ab 1930 bestens informiert sind. Das freigewordene Amt des Schriftführers übernahm der bisherige 1. Vorsitzende Ernst Wursthorn aus Waldau. Mit großer Mehrheit wurde daraufhin Ernst Wursthorn aus Langenordnach zum 1. Vorsitzenden gewählt.

Bei dem schweren Brandunglück am 8. November 1972 auf dem Stalterhof gingen zwei Baßinstrumente ver-loren. Der Musikverein nahm innigen Anteil an dem Schicksalsschlag der die Familie Wehrle getroffen hatte, war doch Stalterbauer Ludwig Wehrle Ehrenmitglied und 2 Söhne aktive Musikvereinsmitglieder. Am 1. Januar 1973 wurde die Gemeinde Waldau in die Stadtgemeinde Titisee-Neustadt eingegliedert. Bür-germeister Gallinger nahm am 11. Januar die Verabschiedung des langjährigen Bürgermeisters August Wehrle in einer Feierstunde im Schwarzwaldstüble des Gasthauses zur Traube vor, bei der eine Abteilung des Musikvereins mitwirkte. Der Musikverein übergab dem scheidenden Bürgermeister, der selbst viele Jahre aktiver Musiker war, ein Erinnerungsgeschenk. In der Generalversammlung 1973 waren Verbandspräsi-dent Anton Kleiser und Bürgermeister Gallinger anwesend. Herr Gallinger überbrachte die Grüße der Stadt und spendete für die Neubeschaffung der Uniformen 5000,- DM.

Zum ersten Mal fand am 1. Mai 1973 ein Maiblasen statt, das bei der Bevölkerung großen Anklang fand und seither jedes Jahr stattfindet. In der Hauptversammlung 1974 konnte wiederum ein aktiver Musiker für seine 50 jährige Tätigkeit im Musikverein geehrt werden: Eduard Spiegelhalter. In der Laudatio wurde er als einer der besten Probenbesucher gewürdigt und betont, daß er in den 50 Jahren zum Probenbesuch bei Wind und Wetter 15.750 km zurückgelegt hatte. Es wurde ihm ein Geschenk und eine Plakette überreicht.

Am 18. April 1974 begleitete die Musikkapelle das Ehrenmitglied Ludwig Wehrle zur letzten Ruhestätte. Der älteste Gemeindebürger Joseph Pfrengle, Gründungs- und Ehrenmitglied des Musikvereins wurde am 20. November 1974 95 Jahre alt. Der Musikverein ehrte ihn mit einem Ständchen und überreichte ihm ein Geschenk. Sichtlich erfreut bedankte sich der Jubilar für diese Ehrung und erzählte in geistiger Frische Be-gebenheiten aus dem früheren Vereinsgeschehen. Nur wenige Wochen danach, am 10. Januar 1975, mußte ihm die Musikkapelle das letzte Geleit zum Friedhof geben.

Breiten Raum nahm die Ausbildung der Jungmusiker ein. Bei dem Wertungsspiel am 4. Mai 1975 in Neu-stadt ernteten die aktiven Musiker wie auch die Jugendkapelle einen großen Erfolg. Beide errangen das Prädikat „Erster Rang mit Auszeichnung’. Das großartige Ergebnis ist in erster Linie dem unermüdlichen Di-rigenten Leopold Winterhalder zu verdanken. Die aktive Kapelle spielte in der Oberstufe „Festlicher Aufklang“ von Peter Seeger. Die Jugendkapelle brachte „Semper pro Musica“ von Edmund Löffler in der Unterstufe zum Vortrag.

75 Jahre Musikverein Waldau

Das Waldauer Musikfest vom 8. - 11. August 1975

Das 75-jährige Jubiläum welches mit einem 4-tägigen Fest gefeiert wurde, stellte alles in den Schatten, was man in dem kleinen Schwarzwalddorf je an Feierlichkeiten erlebt hatte. Bereits im Sommer 1974 hatte man sich in der Vorstandschaft darauf geeinigt, das Fest in einem gebührenden Rahmen zu feiern. Nach umfang-reichen Vorbereitungen, welche sich über ein ganzes Jahr hinzogen, begannen die Feierlichkeiten am 8. August um 18.00 Uhr mit einer Gedenkfeier am Ehrenmal. Man gedachte der verstorbenen und gefallenen Musikkameraden, und legte zu deren Gedenken einen Kranz nieder. Anschließend begab man sich ge-schlossen zum Festplatz, wo um 20.00 Uhr das Festbankett durch den Jubelverein eröffnet wurde. Durch die Mitwirkung der Trachtenkapelle St. Märgen-Glashütte, der Stadtmusik Löffingen und der Stadtmusik Neustadt – welche gleichzeitig die Patenkapelle war- erhielten die Ansprachen der verschiedenen Gratulanten ei-nen entsprechenden musikalischen Rahmen. Erstmals wurde an diesem Abend die neugeschaffene Vereinsehrennadel verliehen. Insgesamt 14 aktiven Musikanten wurde diese Auszeichnung verliehen.

Am Samstag wurden die Feierlichkeiten mit einem Tanzabend weitergeführt, welcher von den „Kirnberg-Boys“ gestaltet wurde. Der Besuch war hervorragend, so daß man jetzt schon sagen konnte, daß sich die viele Arbeit während der Vorbereitung gelohnt hatte. Der Sonntag als Haupt-Festtag begann bereits morgens um 6.00 Uhr mit Böllerschüssen. Anschließend zog der Musikverein mit schneidigem Spiel durch das Dorf. Um 8.30 Uhr wurde im Festzelt ein Gottesdienst ab-gehalten und anschließend spielte der Musikverein Karlsdorf zum Frühschoppen auf. Der große Festumzug wurde durch den Absprung einer Fallschirmspringerstaffel wirkungsvoll angekündigt und mit Böllerschüssen eröffnet. Insgesamt 29 Musikkapellen, Kutschen mit Ehrengästen, historische Festwagen und Trachtenmäd-chen bildeten ein imposantes Bild, und der Besucherandrang übertraf alle Erwartungen. Im Anschluß an den Festumzug spielten die Gastkapellen im Zelt auf und eine riesige Menschenmenge hatte sich beim Festplatz versammelt. Am Abend war dann Stimmung angesagt, als die durch Funk und Fernsehen bekannten „Kai-serlich-Böhmischen“ ein Feuerwerk von Humor und Musik abbrannten. Zu den Weisen der „Sonny-Boys“ wurde noch bis spät in die Nacht getanzt, und ein unvergesslicher Tag ging zu Ende.



Am Montag wurde der letzte Festtag um 14.00 Uhr mit einem Kinderfest begonnen, bevor um 20.00 Uhr die reichhaltige Jubiläumstombola zur Verlosung kam. Es waren wiederum die „Kirnberg-Boys“, welche für Stimmung und Unterhaltung sorgten. Erst weit nach Mitternacht verließen die letzten Gäste das Zelt und das „Waldauer Musikfest“ ging zu Ende. Es ist sicher nicht übertrieben, wenn man sagt, daß dieses Fest der Be-völkerung noch lange in angenehmer Erinnerung bleiben wird. Mit einem Helferabend am 24.10. in Waldau und am 7.11. in Langenordnach wurden den vielen Helfern für ihren unermüdlichen Einsatz gedankt.

Im Mai 1976 gab es ein Novum, da man mit einer Jagdhornbläsergruppe aus Pirmasens ein gemeinsames Kurkonzert gestaltete. Am 25. 7. wurde gleich 3 Termine wahrgenommen. Morgens konzertierte man in Kur-haus in Hinterzarten, anschließend ging es mit dem Bus nach Menzenschwand, wo man am Festumzug teil-nahm. Abends wurde schließlich noch Herrn Pfarrer Wasmer ein Ständchen zu seinem 75. Geburtstag dar-geboten. Am 4. September fuhr man mit dem Bus nach Königschaffhausen und beteiligte sich am Festkon-zert. Es wurde eine lange, gesellige Nacht, welche allen Teilnehmern in stetiger Erinnerung bleiben wird. In der Generalversammlung am 27.3.1977 wurden Edelbert Wehrle und Eugen Wursthorn für 50-jährige aktive Tätigkeit mit der großen goldenen Ehrennadel des BDB ausgezeichnet.

Am 11.3.1978 nahm der Musikverein am erstmalig veranstalteten Gruppenkonzert des Blasmusikverbandes Hochschwarzwald teil. Außerdem wirkten die Trachtenkapelle St.Märgen-Glashütte, die Trachtenkapelle Hin-terzarten und die Stadtmusik Neustadt mit. Das Konzert wurde ein voller Erfolg und wird seither in unregel-mäßigen Abständen im Verbandsgebiet durchgeführt. Um die finanzielle Situation des Musikvereines auf Dauer zu sichern, fand am Wochenende des 5. + 6. August 1978 das erste Waldauer Sommerfest statt. Es war ein voller Erfolg und wird seitdem jährlich veranstaltet. Am 12.8.78 beendete Eduard Spiegelhalter nach über 50-jähriger Tätigkeit im Alter von 70 Jahren seine aktive Laufbahn. Der Verein gab ihm zu Ehren ein kleines Abschiedskonzert. In der folgenden Generalversammlung wurde ihm die Ehrenmitgliedschaft verliehen. Im Jahre 1979 folgte man am 31. März einer Einladung nach Obereschach um zusammen mit dem dortigen Musikverein ein Wunschkonzert zu veranstalten.

Die achtziger Jahre: ein Generationswechsel steht bevor

Bei der Generalversammlung am 23. März 1980 kündigte sich ein Generationswechsel an, da sich der erste Vorsitzende Ernst Wursthorn aus Langenordnach nicht mehr zur Wahl stellte. In geheimer Wahl wurde Klaus Fehrenbach zum neuen Vorstand gewählt. Mit knapp 20 Jahren war er nicht nur beim Musikverein Waldau sondern auch im gesamten Gebiet des Blasmusikverbandes Hochschwarzwald der jüngste Vorsitzende, der je in dieses Amt gewählt wurde. Am 10.5. beendeten die beiden Musikanten Edelbert Wehrle und Eugen Wursthorn ihre aktive Tätigkeit. Bei einer Feier im Kreise der Musikanten wurden die beiden verdienten Ka-meraden verabschiedet. Am Sonntagmorgen, den 15.5. traf man sich bei schönsten Wetter um eine Marschprobe durchzuführen. Anschließend begab man sich noch ins Gasthaus Lachenhäusle und war in geselliger Runde frohgemut beisammen. Doch der Tag, der so schön begonnen hatte, sollte einen schrecklichen Ausgang finden. Der junge Musikant Wendelin Fehrenbach verunglückte auf dem Weg nach Neustadt mit seinem Fahrzeug, und erlag noch am Unfallort seinen schweren Verletzungen. Am 21.5. begleitete man den Musikkameraden auf seinem letzten Weg. Am 3. Mai 1981 feierte Pfarrer Paul Wasmer sein 50-jähriges Priesterjubiläum. Der Musikverein geleitete den Jubilar in die Kirche und danach wieder zurück zum Pfarr-haus. Außerdem wurde der feierliche Gottesdienst und die am Abend stattfindende weltliche Feier musika-lisch umrahmt. Am 7.6. beteiligte man sich am Wertungsspiel, welches anläßlich des Bundesmusikfestes durchgeführt wurde. Mit der Ouvertüre „Thalia“ von Emil Dörle als Selbstwahlstück und der „Sonate 77, Satz 2+4“ als Pflichtstück erreichte man einen 1. Rang. Am 25. Juni 1982 beteiligte man sich auf Einladung des Musikvereines Plittersdorf bei Rastatt an dessen Festbankett. Anschließend wurde noch bis nach Mitternacht zur Unterhaltung aufgespielt. Allerdings hatten es die dortigen Schnaken offensichtlich auf das frische Blut aus dem Schwarzwald abgesehen. Mancher Musikant kam nur mit entsprechenden Andenken nach Hause zurück. Im Spätjahr schieden gleich 3 verdien-te Musikkameraden, Alfons Kreutz, Wilhelm Maier und Franz Schwab aus den Reihen der aktiven Musikan-ten aus. In der folgenden Generalversammlung wurden sie zu Ehrenmitgliedern ernannt. Im Jahre 1983 um-rahmte der Musikverein die Einweihung der Hauskapelle unseres Ehrenmitgliedes Alfons Kreutz. Am 27.5.1984 beteiligte man sich am Verbandswertungsspiel in Bonndorf. Mit dem „Tor zum Süden“ von Dieter Herborg erreichte man ein weiteres Mal die Höchstnote, einen „1. Rang mit Auszeichnung“. Am 26.10. wurde die Feier zum 25-jährigen Bestehen des SC Waldau musikalisch verschönt. Am 22.12.84 fgestaltete man ein Freundschaftskonzert zusammen mit der Stadtkapelle Furtwangen im Kurhaus am Titisee. Am 19.3.1985 fanden Aufnahmen für die „Volksmusik-Hitparade“ des SWF im Kurhaus am Titisee statt, und so ergab es sich, daß der Musikverein Waldau wieder einmal im Rundfunk zu hören war.

Ein neues Probelokal wird gebaut

Nachdem die Anzahl der Aktiven zwischenzeitlich auf knapp 50 Musikanten und Musikantinnen angewach-sen war, wurden die Räumlichkeiten in der Schule immer unbefriedigender. Deshalb beschloß man, zusam-men mit den anderen Waldauer Vereinen, durch einen Umbau des Feuerwehrgerätehauses eine bleibende Heimat für das florierende Waldauer Vereinsleben zu schaffen. Mit der stattlichen Summe von 50.000,00 DM beteiligte sich der Musikverein an den Umbaukosten. Am 5. Juli 1985 wurde mit dem Erd aushub begonnen. Zahlreiche Waldauer Mitbürger halfen unentgeltlich mit, um das große Gemeinschaftswerk baldmöglichst zu einem gelungenen Abschluß zu bringen. Am 27. August konnte das Richtfest gefeiert werden. Der Innen-ausbau erwies sich als schwieriger und umfangreicher als geplant und zog sich über ein ganzes Jahr hin. Nachdem man die ersten Proben schon darin abgehalten hatte, wurde das neue Vereinsheim und gleichzei-tige Probelokal des Musikvereines am 27.5.1987 offiziell mit einem Fest der Öffentlichkeit vorgestellt und seiner Bestimmung übergeben. Das Foto der Helfer im Obergeschoß zeugt noch heute von der beispielhaf-ten Leistung der Dorfgemeinschaft.

Am 21.12.1985 fand ein Doppelkonzert mit dem MV Deisslingen im Kurhaus am Titisee statt. Im Auftrag des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald unterhielt der Musikverein bei der Landesgartenschau in Freiburg die zahlreichen Besucher. Am 29.5.1986 besuchte man die französische Garnison beim Truppenübungsplatz in Stetten am kalten Markt. Mit dem Potpourri „American Folklore“ brachte man vor allem die zahlreich erschienenen amerikanischen Soldaten in Stimmung. Nachdem in den Jahren 1984 und 1985 vor den Weihnachtsfeiertagen jeweils ein Konzert mit einer befreundeten Kapelle durchgeführt wurde, veranstaltete man am 20.12.1986 das erste sogenannte Jahreskonzert, um einen musikalischen Höhepunkt im Vereins-jahr zu setzen. Die daraus resultierende Tradition der Jahreskonzerte ist bis auf den heutigen Tag erhalten geblieben.

Die Generalversammlung am 13.02.1987 machte einmal mehr den Generationswechsel im Musikverein Waldau deutlich, da eine noch nie dagewesene Fülle von Ehrungen anstand. Zum einen verleiht Bürger-meister Lindler den Brüdern Otto und Fritz Winterhalder die Ehrennadel des Landes Baden-Württemberg für langjährige ehrenamtliche Tätigkeit. Weiterhin wurden Siegfried Harder, Alfons Wehrle und Fritz Winterhal-der, welche im Laufe des Jahres 1986 ihre aktive Tätigkeit beendet hatten, zu Ehrenmitgliedern ernannt. Und zum Abschluß erhielten die Brüder Leopold, Otto und Fritz Winterhalder eine Wandplakette für 50-jährige aktive Tätigkeit. Am 9.5.1987 wurde das 25-jährige Jubiläum des Landfrauenvereins Waldau im Kur-haus am Titisee musikalisch mitgestaltet. Im Juni nahm die Jugendkapelle in der Mittelstufe an einem Wer-tungsspiel in Grafenhausen teil. Man erreicht einen 1. Rang mit Auszeichnung. Die Vorbereitung und Leitung lag erstmals beim Vizedirigenten Leonhard Schmitt.

Am 22.7.1987 fand im Kurhaus am Titisee der erste Waldauer Abend statt. Bei dieser Veranstaltung treten ausschließlich kulturelle Vereine aus Waldau auf. Außer dem Musikverein sind das der Kirchenchor und die Kindertrachtentanzgruppe. Die Veranstaltung verzeichnete einen hervorragenden Zuspruch durch die Feri-engäste und wurde von da an regelmäßig in das jährliche Veranstaltungsprogramm aufgenommen. Ebenso spielte in diesem Jahr erstmalig eine Abordnung der Kapelle am Heiligabend einige Weihnachtslieder vor der Kirche. Die große Anzahl von Einheimischen und Gästen ermunterte die Aktiven, diese Veranstaltung zur Tradition werden zu lassen.

Am 3.4.1988 lud die Trachtenkapelle St.Märgen-Glashütte zu einem Doppelkonzert nach Neukirch ein. Am 27.4.1988 starb Paul Wasmer, Pfarrer von Waldau seit 1952 und Ehrenmitglied des Musikvereins. Die Ka-pelle umrahmte den Trauergottesdienst und begleitete ihren langjährigen Gönner auf seinem letzten Weg. Am 14.5.88 veranstaltete der Blasmusikverband Hochschwarzwald in Titisee ein Gruppenkonzert. Die teil-nehmenden Kapellen kamen mit dem MV Titisee-Jostal, dem MV Friedenweiler-Rudenberg, der Stadtmusik Neustadt und dem MV Waldau alle aus den Ortsteilen der Stadt Titisee-Neustadt. In der Generalversammlung am 11.03.1989 kündigt der langjährige Dirigent Leopold Winterhalder seinen Rücktritt an. Sein Bruder Otto Winterhalder wurde am selben Abend zum Ehrenmitglied ernannt, nachdem er zum 31.12.1988 als aktiver Musikant ausgeschieden war. Er gehörte der Kapelle 58 Jahre lang an. Auch Oskar Schmitt wurde zum Ehrenmitglied ernannt, er war 32 Jahre lang aktiv.

Am 10. Juni 1989 fand in Rötenbach ein Marschmusikwettbewerb statt, veranstaltet vom Blasmusikverband Hochschwarzwald. Der Musikverein Waldau nahm zusammen mit 12 weiteren Kapellen daran teil, und erreichte einen 1. Rang. Im Rahmen des Waldauer Sommerfestes fand am Sonntag, den 6.8.89 das Ab-schiedskonzert von Leopold Winterhalder statt. Der 1. Vorsitzende würdigte die verdienstvolle Tätigkeit über 35 Jahre und überreichte als äußeres Zeichen der Dankbarkeit einen goldenen Taktstock. Gleichzeitig er-folgte die Ernennung zum Ehrendirigenten. Auch Bürgermeister Lindler und BMV-Präsident Stegerer ließen es sich nicht nehmen, dem scheidenden Dirigenten herzliche Worte des Dankes zu überbringen. Als Nach-folger von Leopold Winterhalder übernahm sein bisheriger Vize Leonhard Schmitt die Leitung der Kapelle. Am 13.10.89 wurde Leopold Winterhalder im Rahmen einer würdigen Feier im Gemeindehaus offiziell ver-abschiedet. Der Musikverein spielte u.a. den ihm zu Ehren von Dr. Regner komponierten „Leopold-Winterhalder-Marsch“.

Der Musikverein unter der Stabführung von Leonhard Schmitt

Der Musikverein hatte wirklich großes Glück, daß der neue Dirigenten aus den eigenen Reihen kam. Der neue musikalische Leiter ging mit Elan ans Werk, und bewirkte alsbald einige Veränderungen. Im Laufe des Jahres 1990 wurden, um den Vorstellungen des Dirigenten zu entsprechen, diverse Umbesetzungen in der Kapelle vorgenommen. Außerdem wurden für fast 30.000,00 DM Instrumente und Zubehör angeschafft. Bereits im Herbst 1989 war man sich in den Reihen der Vorstandschaft einig, daß es dringend geboten war, die bisherige Uniform nach 17 Jahren auszutauschen. Da die Kosten die Finanzkraft des Vereines überstiegen, wurde durch eine Haussammlung die Bevölkerung um Spenden gebeten, und das Ergebnis übertraf alle Erwartungen. Im Frühjahr 1990 stellten verschiedene Firmen ihre Kollektion vor. Nach intensiver Beratung wurde man sich schließlich einig, und der Musikverein Waldau konnte sich am Pfingstsonntag erstmals beim Jahreskonzert unter der Leitung von Leonhard Schmitt und in der neuen Einheitskleidung präsentieren. Im Rahmen dieses Konzertes wurde unserem Ehrendirigent Leopold Winterhalder von Regierungspräsident Dr. Nothelfer auf Antrag des Musikvereines Waldau das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. Zum Ende des Jahres 1990 beendet Lothar Waldvogel aus Langenordnach nach 43-jähriger Tätigkeit seine aktive Mit-gliedschaft. In der darauffolgenden Generalversammlung wird er zum Ehrenmitglied ernannt. Am 5.5.1991 fand in Hinterzarten das vom Blasmusikverband Hochschwarzwald veranstaltete Wertungsspiel statt. Die wochenlange intensive Probenarbeit wurde mit dem Prädikat „1. Rang mit Auszeichnung“ belohnt. Diese Bewertung war zusätzlich eine deutliche Bestätigung für unseren neuen Dirigenten. Am 26.5. feierte der ge-bürtige Waldauer, Pater Alfons Wehrle, sein 25-jähriges Priesterjubiläum. Der Musikverein umrahmte die Feierlichkeiten in und nach der Kirche. Am 29.9. fand eine Benefiz-Veranstaltung zugunsten der Familie Wehrle vom Gasthof Sonne-Post statt, welche durch eine Brandkatastrophe schwer getroffen wurde. Der Musikverein initiierte zusammen mit den anderen Vereinen diese Veranstaltung und wirkte tatkräftig bei der Vorbereitung und Durchführung mit. Am 10.08.1992 starb August Wehrle, Altbürgermeister und Ehrenmit-glied des Musikvereines Waldau. Die Kapelle begleitete ihren Gönner mit dem Trauermarsch auf dem Weg zum Friedhof und spielte am offenen Grab. Aus gesundheitlichen Gründen mußte Eugen Löffler vom Schweizerhof im Laufe des Jahres 1992 das Musizieren einstellen. Als Dank für seine Verdienste wurde er in der Generalversammlung am 7.3.1993 zum Ehrenmitglied ernannt. An gleicher Stelle erhielt Leonhard Schmitt für 25-jährige aktive Tätigkeit aus den Händen von Präsident Albert Reich die silberne Ehrennadel des Verbandes. Der 1. Vorsitzende Klaus Fehrenbach überreichte ihm das silberne Vereinsabzeichen. Am 10.+11.7 fand erstmals anstatt des traditionellen Sommerfestes ein Dorfhock rund um den Kurgarten statt. Die Veranstaltung war ein voller Erfolg und wird seither jedes Jahr an gleicher Stelle wiederholt. Im gleichen Jahr feierte die freiwillige Feuerwehr ihr 50-jähriges Bestehen. Am Sonntag umrahmte eine Bläsergruppe den Festgottesdienst, anschließend spielte die Gesamtkapelle zum zünftigen Frühschoppenkonzert auf. Das Ehrenmitglied Josef Schwär wurde am 9.9.93 unter den Klängen der Musikkapelle zu Grabe getragen. Am 2.10.93 besuchte uns die Musikkapelle aus Waldau in Thüringen. Eine Schwarzwaldfahrt mußte wegen der schlechten Witterung leider abgesagt werden. So beließ man es bei einem Rundgang durchs Dorf und einer Besichtigung des Probelokals. Anschließend spielte man abwechselnd im Gasthaus Sonne-Post. Am 1. Weihnachtstag wurde die frühere Tradition der Weihnachtskonzerte in der Kirche wieder aufgenommen. Seit diesem Tage findet dieses Konzert wieder regelmäßig statt.

Am 4.8.94 geleitete der Musikverein sein Ehrenmitglied Ludwig Spiegelhalter auf seinem letzten Weg. Am 21.8.94 folgte man einer Einladung nach Ebringen und spielt beim dortigen Weinfest. Das nächste Wer-tungsspiel fand am 21.5.1995 statt. Nach intensiver Probenarbeit erntete man die Früchte der Arbeit, einen „1. Rang mit Belobigung“. Doch die Freude über das gute Abschneiden wurde getrübt durch die Nachricht, daß das Ehrenmitglied Edelbert Wehrle, welcher am Morgen noch als Zuhörer in unseren Reihen war, am Abend verstorben war. Am 24.5. gab man dem Kameraden das letzte Geleit. Noch im gleichen Jahr sollte sich diese Situation wiederholen, als mitten in der ausgelassene Stimmung beim Dorfhock am 5.8.95 die Nachricht vom Tode des Ehrenmitgliedes Eugen Wursthorn die Runde machte. Die Kapelle begleitete ihrem langjährigen Posaunisten am 8.8. auf dem Weg zum Friedhof. Am 26.10. hieß es wiederum Abschied neh-men, der Musikverein verliert sein Ehrenmitglied Otto Winterhalder. Mit dem Trauermarsch begleitet man den verdienten Kameraden auf seinem letzten Weg. Zum Ende des Jahres 1995 beendete Stefan Schwär seine aktive Laufbahn. Die darauffolgende Generalversammlung am 29.3.1996 ernannte ihn zum Ehrenmitglied.

In der gleichen Versammlung wurde auch eine Änderung in der Vereinsführung beschlossen. In Zukunft werden die Geschicke des Vereins von einem 3-köpfigen Vorstandsteam gelenkt, wobei jedes Mitglied einen klar abgegrenzten Aufgabenbereich hat. Das erste Team, welches nach den neuen Statuten amtierte, be-stand aus Klaus Fehrenbach (Vorstandssprecher), Edelbert Waldvogel (Veranstaltungen) und Hubert Beha (musikalische Belange). Am 24.2.96 verstarb das Ehrenmitglied Wilhelm Maier. Die Kameraden verabschie-deten sich mit der musikalischen Umrahmung der Trauerfeier. Aber die Reihe der traurigen Anlässe sollte noch nicht zu Ende sein. Am 4.4. starb Adolf Wursthorn und der Musikverein gab ihm am 9.4. das letzte Ge-leit. Durch die diamantenen Hochzeit des Ehrenmitgliedes Eduard Spiegelhalter und seiner Frau Berta am 23.4.96 wurde dem Verein eine seltene Einladung zuteil. Die Musikkameraden umrahmten die kirchliche und die weltliche Feier. Beim Jahreskonzert wurde das aktive Mitglied Ernst Wursthorn mit der goldenen Ehren-nadel ausgezeichnet. Der Verein hatte seinen früheren 1. Vorsitzenden und langjährigen Schriftführer bereits anläßlich der Generalversammlung die goldene Vereinsnadel verliehen. Im Januar 1997 umrahmte der Mu-sikverein die Investitur des neuen Seelsorgers, Pfarrer Eberhard Murzko. In der Generalversammlung 1997 konnten mit Klaus Fehrenbach und Gerhard Winterhalder 2 Musikkameraden mit der silbernen Ehrennadel geehrt werden, welche sich schon seit Jahren in der Vereinsführung verdient gemacht hatten. Bei den erst-mals stattfindenden deutschen Musikanten-Skimeisterschaften am 1.3.97 nahm der MV Waldau mit großar-tigem Erfolg teil. Neben 8 Pokalen wurde durch den Musikkameraden Gerhard Rombach auch der Titel „Deutscher Musikantenskimeister“ errungen. Am 10.5.97 wurden im Kurhaus am Titisee durch die Deutsche Welle Aufnahmen für die Sendung „Stadtbummel in Titisee-Neustadt“ unter Mitwirkung des Musikvereins Waldau durchgeführt. Anläßlich einer Vorstandssitzung kündigte Dirigent Schmitt die Beendigung seiner Tä-tigkeit zum 31.12.1997 an. Nachdem man mit Kuno Mößmer einen Nachfolger für das Amt des Dirigenten gefunden hatte, wurde das Weihnachtskonzert vom 25.12.1997 auch gleichzeitig das Abschiedskonzert für den bisherigen Dirigenten.

Mit dem neuen Dirigenten wurde eine zunächst auf ein Jahr befristete Zusammenarbeit vereinbart. Am 18.1.1998 gab der neue Dirigent seinen Einstand bei einem Kurkonzert in Hinterzarten. Im Rahmen der Ge-neralversammlung erläuterte Leonhard Schmitt nochmals die Gründe für seine Stabniederlegung. Gleichzei-tig stellt sich Kuno Mößmer der Öffentlichkeit vor, und verdeutlicht seine musikalischen Vorstellungen. Am 4. April verliert der Musikverein sein Ehrenmitglied Franz Schwab. Die Musikantinnen und Musikanten erwiesen ihrem langjährigen Kamerad 4 Tage später die letzte Ehre. Die erste Herausforderung für den neuen Diri-genten, das traditionelle Jahreskonzert am Pfingstsonntag, mußte wegen Erkrankung von Herrn Mößmer ausfallen. Bei der Ausstellung der Maurerinnung schlüpfte der Verein in eine neue Rolle, und sorgte für die Bewirtung. Am Samstag, 8.8. fuhr ein Teil der Musikkameraden zum Schloßfest nach Ortenberg um gemein-sam einige gesellige Stunden zu verbringen. Am Sonntag kam der Rest nach, und man gestaltete das Früh-schoppenkonzert. Am 6.12. war die Kapelle nach Kuhbach bei Lahr zu einem Doppelkonzert eingeladen. Die Heimfahrt war begleitet von dichtem Schneetreiben und mancher Musikant mußte nach Verlassen des Bus-ses den restlichen Heimweg zu Fuß antreten.

Am 11.1.1999 wurde im Rahmen einer Aktivenversammlung über die weitere Zusammenarbeit mit Dirigent Mößmer beraten. Da die finanzielle Belastung für die Vereinskasse auf Dauer als nicht tragbar schien, und sich Klaus Fehrenbach bereit erklärte, das Amt des Dirigenten zu übernehmen, beendete man die Verbin-dung mit Herrn Mößmer in gegenseitigem Einvernehmen. Am Schmutzigen Donnerstag nahm eine Abordnung der Kapelle erstmalig an der Schülerbefreiung in der Grundschule teil. Am Abend ließ man es sich nicht nehmen, als Hemdglunki konstümiert, die Fastnachtsver-anstaltung des Landfrauenvereins musikalisch zu gestalten. An den 2. deutschen Musikantenskimeister-schaften nahm man wiederum mit großartigem Erfolg teil. Der Musikverein stellte mit Julia Wehrle und Gerhard Rombach sowohl die Musikantenskimeisterin als auch den Musikantenskimeister. Der 1. Mai be-gann mit der traditionellen Marschprobe. Anschließend fuhr man zusammen mit den Familienangehörigen mit dem Bus nach Weil am Rhein und trat 2 mal bei der Landesgartenschau auf. Am 19.6. stand der neue Dirigent vor seiner ersten großen Bewährungsprobe, da man an einem Gruppenkonzert in St. Märgen, ver-anstaltet vom Blasmusikverband, teilnahm. Es wirkten mit: die Trachtenkapellen aus St. Märgen und St. Märgen-Glashütte sowie die Musikvereine aus Breitnau und Waldau. Im Anschluß waren sich alle einig: der Dirigent und alle Musikanten hinterließen einen sehr guten Eindruck. Im gleichen Jahr feierte der Skiclub Waldau sein 40.-jähriges Bestehen. Der Musikverein umrahmte das Festbankett.

Die Vorbereitungen für das 100-jährige Jubiläum zogen sich bereits über das ganze Jahr hin. Man war sich in den Reihen der Musikanten und der Vorstandschaft einig, das Fest in einem, dem Anlaß entsprechenden Rahmen zu feiern. Aus diesem Grunde wurde auch die Verleihung der PROMUSICA Plakette beantragt. Somit stand der Jahrtausendwechsel für die Mitglieder des Vereines ganz im Zeichen des 100. Geburtstages und den damit verbundenen Feierlichkeiten. Doch bevor die Vorbereitungen auf das Jubiläum in ihre ent-scheidende Phase traten, machte man noch einen Abstecher ins benachbarte Belgien. Auf Einladung der Kurverwaltung gestaltete man zusammen mit dem Heimatverein Titisee und einer Reihe von Hoteliers einen Schwarzwaldabend in Eupen.

Beim Festbankett am 3. Juni im Kurhaus am Titisee wird dem Musikverein Waldau im Hochschwarzwald e.V. von Landrat Jochen Glaeser die PROMUSICA Plakette verliehen. Außerdem werden zahlreiche aktive Mitglieder für ihr langjähriges Wirken ausgezeichnet. Vom 28. - 31. Juli können alle Freunde der Waldauer Musik beim großen Festwochenende den 100. Geburtstag mitfeiern.

Rückblick und Ausschau

Im Jubiläumsjahr zählt der Musikverein Waldau 42 aktive, 128 passive Mitglieder und 13 Ehrenmitglieder. 5 Jugendliche sind in Ausbildung.

Der Verein kann mit Stolz sein 100-jähriges Jubiläum feiern, denn er bewahrt mit seinem kulturellen Wirken ein Stück Eigenständigkeit der ehemaligen Gemeinde Waldau und stärkt das Gemeinschaftsbewusstsein der Bevölkerung. Im kirchlichen Bereich belebt die Musikkapelle durch aktive Mitwirkung die alljährlichen Prozessionen und gestaltet bei Gottesdiensten einen besinnlichen und festlichen Rahmen. In der Großgemeinde Titisee-Neustadt und in den umliegenden Orten ist die Kapelle bei der Gestaltung von Kurkonzerten gefragt und allgemein anerkannt. Immer wurde die Jugend schon im frühen Alter durch musikalische Ausbildung der Musik zugeführt und so zu einer sinnvollen Gestaltung der Freizeit angeleitet. Deshalb braucht der Verein um seine Zukunft nicht bange zu sein. „Wer die Jugend hat, dem gehört die Zukunft“.

Chronist bis 1975: Karl Wehrle
Chronist bis 2000: August Bläsi, Hubert Winterhalder